Geschichte / Kirchen
Die Kirche als Raum der Versammlung und gemeindlichen Identität
Geschichte / Kirchen >> Geschichte / KirchenDie katholische Pfarrei Bad Abbach machte sich unter großen Anstrengungen an das Werk der Renovierung der Pfarrkirche. Ein sehr kostspieliges Unterfangen, wie sich herausstellen sollte. Sie traute es sich zu, weil sie um die kunstgeschichtliche und architektonische Bedeutung dieses Bauwerkes nicht nur für die Katholiken, sondern für die ganze Gemeinde Bad Abbachs weiß. Deswegen vertraute die Kirchenverwaltung auch auf die Hilfeleistung kunstsinniger und heimatverbundener Bürger Abbachs.
Aber einer christlichen und katholischen Gemeinde geht es bei der Pflege und dem Erhalt ihrer Kirche noch um etwas anderes. Die christlichen Kirchenbauten sind kein Äquivalent zum heidnischantiken oder auch jüdischen Tempel. Die Schriften des Neuen Testamentes, in denen das urchristliche Bewusstsein gespiegelt wird, bezeichnen nirgendwo Ort und Raum der gottesdienstlichen Versammlung als Tempel, Gotteshaus oder Heiligtum. Das Haus der Gemeindeversammlung spielt nur eine untergeordnete Rolle, es hat lediglich dienenden Charakter und empfängt von daher aber seine große Würde. Es ist das Haus, in dem sich inmitten der versammelten Gemeinde das Christusgeschehen in Wort und Sakrament vergegenwärtigt und verwirklicht. Dadurch besitzt eine Kirche objektiv eine hohe Würde, die durch den Kirchweihritus eindrucksvoll dokumentiert und besiegelt wird. Auch subjektiv erleben die einzelnen Gläubigen das Kirchengebäude als Haus des Gebetes und der sie persönlich zutiefst berührenden sakramentalen Feiern und vielfältigen religiösen Erfahrungen.
So ist es verständlich, dass ihnen "ihre" Kirche ans Herz gewachsen ist und sie dafür auch zu oft erstaunlichen Opfern bereit sind. Die kostbare materielle "Raumschale" will den geistlichen "Kern" hüten und fördern.
Das Kirchengebäude und der umgebende Friedhof hatten aber eine noch weitreichendere Bedeutung.
In frühchristlicher Zeit wurden Bestattungen meistens außerhalb von Siedlungen vorgenommen. Durch den Bau von Kirchen, die oft am Sterbeort von Märtyrern errichtet wurden und später durch Reliquien im Altar besonders heilbringende Orte waren, wurde zunächst innerhalb dieser Kirchen bestattet. Durch die Nähe zu den Märtyrern sollte deren Fürbitte im Jenseits erreicht werden. Da die Kirchen natürlich relativ schnell belegt waren, wich man auf den Kirchhof aus. Dieser bildete, von der Kirchmauer umfasst, zusammen mit der Kirche den Mittelpunkt des gesamten städtischen und christlichen Lebens: Taufe, Kommunion, Firmung, Hochzeit und schließlich Beerdigung fanden hier neben den regelmäßigen Kirchgängen als gesellschaftliche Ereignisse statt. Die Kirche war somit eng mit dem Leben der Menschen verwoben.
Der Bau der St. Nikolaus-Kirche hatte auch ein psychologisch wichtiges Moment: Sie stand für eine stabile Gemeinde, für die Bestätigung des kirchlichen Weges. Und so stand auch die Gemeinschaft Kirche immer in enger Beziehung zu dem Bauwerk Kirche. In der Gegenwart besteht die Gefahr, dass die Bedeutung des Gebäudes Kirche sich vom Versammlungsort zum musealen Raum wandelt. Ihre eigentliche Aufgabe als Ort der Zusammenkunft verliert damit immer mehr an Bedeutung zu Gunsten eines materiell kunstgeschichtlichen Objektes. Dies um so mehr, als dass in unserer Zeit der christlichen Versammlung immer weniger Wichtigkeit beigemessen wird.
In Zeiten, wo die Seelsorge einer Pfarrei immer weniger dem Pfarrer zufallen könnte, z.B. im Rahmen der neuen Seelsorgeeinheiten mit weniger Priestern für mehr Katholiken, muss sich eine Neuorientierung im Selbstverständnis der Gläubigen zu ihrer Kirche in beiderlei Bedeutung ergeben.
Erhoffen wir uns auch in Zukunft, dass sich die Gemeinschaft Kirche in gemeindlicher Identität sammeln kann, um an würdiger Stelle Gottes Liebe und Gnade in einer einzigartig wirksamen Weise vermittelt zu bekommen.
Katholische Kirchenverwaltung Bad Abbach