Geschichte / Kirchen
Die künstlerische Gestaltung
Geschichte / Kirchen >> Geschichte / KirchenIm Mai 1999 wurde ich durch Pfarrer Felber gefragt, ob ich einige konzeptionelle, bzw. gestalterische Ideen für die Renovierung von "St. Nikolaus" hätte. Eine erste Begehung zeigte, dass der Kirche ein Großteil ihrer Originalausstattung fehlte (Seitenaltäre, Hochaltar bis zur Predella gekappt, Schalldeckel der Kanzel etc.).
Bei einer anstehenden Renovierung konnte es nicht Ziel sein, eine möglichst historisierende Fassung der Raumschale samt Inventar zu erreichen, denn grundsätzlich hat ein ehrlicher Umgang mit der Geschichte eines Bauwerks Priorität.
Eine Fassung der Raumschale in ihrer ursprünglichen Version hätte nur Sinn gemacht, wenn die damals bunten Kirchenfenster noch vorhanden gewesen wären. Grund für die sehr dunkel gehaltene Tönung der Wände war ja das Nachahmen der mystischen Stimmung in echt gotischen Kirchen. In Absprache mit dem Landratsamt für Denkmalpflege und dem bischöflichen Baureferat wurden von mir neue Entwürfe geschaffen. Sie stützten sich auf vorgenommene Befunduntersuchungen. Die Neufassung der Raumschale erscheint in einem sehr hellen Ocker, um dem Raum seinen ansonsten düster, morbide wirkenden Charakter zu nehmen.
Das Abschlussfries im Langhaus basiert auf der ursprünglichen Ausmalung des Jahres 1852. Die Farbpalette wurde aber aufgehellt, der Rapport der einzelnen Elemente erweitert, um eine gewisse Leichtigkeit zu erreichen. Dasselbe gilt für das Gewölbe im Presbyterium und die Fensterlaibungen. Die Rekonstruktion der Langhausdekoration im unteren Bereich (Quaderung mit Fugenstrichen und darüberliegenden Ornamentband) wurde nicht wiederhergestellt. Durch später angebrachte Epitaphen im linken und rechten Wandbereichwäre sie mehrmals unterbrochen und würde somit ihrer Funktion der optischen Gliederung nicht mehr gerecht. Die Leinwandbilder des Hochaltars und der Seitenaltäre wurden ebenso wie der gesamte Kreuzweg umfassend restauriert. Die 1952 von Otto Baumann geschaffenen Wandbilder an den Stirnseiten des Langhauses wurden erhalten und durch Glasplatten abgedeckt, die zugleich Träger für die originalen Ölgemälde sind. Das zu den Bildern kontrastierende Blaugrün der Glasträger findet sich in der Gestaltung des Hochaltarkreuzes wieder. Hochaltar und Kanzel wurden in einem aufwändigen Verfahren restauriert und zeigen sich heute wieder in ihrer Originalbemusterung und Originalfarbigkeit. Die Neugestaltung der Lampen nimmt in ihren Grundzügen die polygonale Formgebung der "Ewig - Licht - Ampel" im Gewölbe des Presbyteriums auf. Die von neogotischen Stilelementen befreite Formensprache ist Mittler zwischen Alt und Neu. Die Wahl des Materials - Messing, Glas bzw.Opakglas steht in unmittelbarem Bezug zur Farbigkeit der Kirchenausstattung und den seitlichen Bildträgern.
Wilfried Anthofer, September 2002